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Mittwoch, 26. August 2026

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Mondorfer Geschichte(n)

Die Kallboys wollen an dieser Stelle Geschichte und Geschichten aus und rund um Mondorf erzählen. Da die Recherchen sich teilweise auf Augenzeugenberichte stützen ist dies nur durch viel herum fragen möglich und entsrechend Zeitaufwendig. Daher erscheinen die Mondorfer Gechichte(n) in unregelmäßigen Abständen. Viel Spaß beim Schmökern.
Es werden jeweils 5 Geschichten pro Seite angezeigt.

Hinweis:
Leider mussten wir feststellen, dass aus noch unbekannten Gründen in der Ausgabe 19/26 der „Wir Niederkasseler“ der von den Kallboys eingereichte Beitrag nur bis zur Hälfte abgedruckt wurde. Dadurch könnte er missverstanden werden - an dieser Stelle finden sie den kompletten Text.

 

"Die Auswahl fiel echt nicht leicht."'

Das Gewinnspiel zum 100. Mondorfer Bastelbogen ist entschieden !

Im Jahr 2010 begann der KC Kallboys damit, "Mondorf auf Pappe zu bringen". Seitdem veröffentlicht der Kegelclub in unregelmäßigen Abständen Bastelbögen mit Bauwerken, Fahrzeugen und Unikaten aus Mondorf und Umgebung zum kostenlosen Download. Mittlerweile sind 97 Mondorfer Bastelbögen erschienen.

Damit gehen die Kallboys stramm auf den 100. Mondorfer Bastelbogen zu, und obwohl sie noch viele Ideen haben, wollten sie diesen besonderen Moment mit Ihren Fans teilen. Im August 2025 riefen sie daher in der „Wir Niederkasseler“, sozialen Medien und Kartonbauforen dazu auf, Vorschläge für den 100. Mondorfer Bastelbogen zu machen und bis zum Ende des Jahres einzureichen.

Die Zahl der Vorschläge war überwältigend - fast 50 Einsendungen waren eingetroffen. Und jeder war aufregend, interessant, erfrischend oder auch lustig. Abert neben der Originalität mussten die Kallboys auch die technische Umsetzbarkeit, die Verfügbarkeit von Plänen und etwaige Eigentumsrechte prüfen – was die Auswahl nicht leicht machte. Nach einer Vorauswahl entschied letzten Endes das Herz.

Die Delegation des KC Kallboys mit der stolzen Gewinnerin

Die Delegation des KC Kallboys mit der stolzen Gewinnerin

Es war die Idee von Sandra Chavet mit ihrem Vorschlag „Wiesenfest in Mondorf“ , die die Kallboys elektrisierte – denn die originelle Mondorferin fügte in Ihrem Vorschlag zurecht hinzu, dass dort die „Schnappsidee der Mondorfer Bastelbögen“ doch überhaupt erst geboren worden war. Was also läge näher für ein 100. Jubiläum? Damit stand die Entscheidung fest.

Am 16. April konnte dann eine Delegation des Kegelclubs, bestehend aus dem Präsidenten Heinz Dresbach, dem Schriftführer Tobias Gilles und den Webmaster Holger Moskopp, den wohlverdienten Preis übergeben. Die glückliche Gewinnerin konnte sich über einen Pokal, ein eigens entworfenes „Bastelbogen-Starterset“ und eine bislang unveröffentlichte, gebundene Ausgabe des „Kallpendiums der Kegelspiele“ freuen.

Der Gewinn

Der Gewinn

Bis zum Erscheinen des Wiesenfestes als Mondorfer Bastelbogen wird es aber noch ein Weilchen dauern, da noch zwei Ausgaben bis zur Hundert fehlen. In jedem Fall bedanken sich die Kallboys heute an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei allen Einsendern für die herrlichen Ideen.

Vielen Dank, ein kräftiges „Gut Holz !“ - und viel Spaß beim Schnippeln und Kleben !

 

Wo kommt eigentlich der Rhein her?

 
Neulich beim Entspannen am Rheinufer kam die Frage auf, wo der Rhein eigentlich herkommt. Kurzerhand machten sich die Kallboys auf die Reise, um diese Frage zu klären.
 
An einem schönen Junitag starteten wir spätnachmittags zum ersten Abschnitt unserer Reise, der uns zum Autoreisezug-Terminal in Neu-Isenburg (bei Frankfurt) führte. Nach Ankunft unseres Zuges machten wir es uns im eigenen Abteil bequem und genossen die Fahrt Richtung Süden. Ziel war das norditalienische Alessandria, das wir am nächsten Morgen, nach einem ausgedehnten Frühstück im Zug, erreichten.
 
Von dort aus ging es ausgeruht über Mailand in Richtung Schweiz. Die Schweiz dann auch tatsächlich zu erreichen, stellte sich aber als überraschend schwierig heraus. Wir mussten nämlich anhalten, um noch eine Vignette zu kaufen und bei der Rückkehr zum Auto fiel bereits eine beträchtliche Wasserlache unter dem Wagen ins Auge. Die sommerlichen Temperaturen und der Stop-And-Go-Verkehr an der Grenze wahren wohl etwas viel für unser betagtes Kallmobil. Der in die Jahre gekommene Kühlerverschluss war verklebt und ließ den Druck im Kühlsystem so hoch ansteigen, dass zwei Kühlerschläuche geplatzt waren. Ohne Kühlwasser im Motor ging es nun erstmal nicht mehr weiter. Glücklicherweise war in der Nähe ein Abschleppwagen damit beschäftigt ein weiteres liegengebliebenes Fahrzeug aufzuladen. Der Fahrer rief gleich einen Kollegen mit einem weiteren LKW dazu, die Kallboys verteilten sich in die Führerhäuser und mit dem huckepack aufgeladenen Kallmobil ging es in die nächste Werkstatt nach Como. Aus verschiedenen vorrätigen Schläuchen bastelte man dort einen neuen unteren Kühlerschlauch zusammen. Den oberen Kühlerschlauch hatte man sogar noch neuwertig auf Lager! Mit neuem Kühlwasser gestärkt (und jetzt auch mit Vignette) gelang der zweite Anlauf die Schweizer Grenze zu überqueren dann auf Anhieb.

Die Heckflosse wird verladen.

Die Heckflosse wird verladen.

Für den Aufstieg auf den Gotthardpass wählten wir die alte Passstraße, auch „Tremola“ genannt. Diese führt kurvenreich mit tollen Aussichtspunkten auf das Gotthardmassiv. Dank wenig Verkehr mussten wir nicht hetzen und das Kopfsteinpflaster passte gut zur historischen Straße.
 

Auf den Gotthardpass

Auf dem Gotthardpass

Am späten Nachmittag kehrten wir in Andermatt ein. Ein netter Hotelier half uns noch eine Kleinigkeit am Auto instandzusetzen, dann ging es in ein Steakhaus, dessen unglaublich leckere Blauschimmelsauce einigen von uns noch heute guter in Erinnerung ist.
 

Postkutsche in Andermatt

Postkutsche in Andermatt

Am nächsten Morgen, nach einer kurzen Erkundung Andermatts, fuhren wir den Oberalppass hinauf. Auf dem Parkplatz an der Passhöhe steht eine Nachbildung des Leuchtturms, der an der Rheinmündung in Rotterdam steht, um auf die in der Nähe liegende Quelle des Vorderrheins hinzuweisen. Wer von hier weiter in Richtung Quelle will, muss das Auto stehenlassen und kann von hier aus in circa 3 Stunden zum Tomasee wandern. Dieser gilt als die Quelle des Vorderrheins. Die Kallboys entschieden sich die Natur unberührt zu lassen. So fuhren wir weiter auf der Passstraße, die nun talwärts hinunter ins Tal „Surselva“ führt.
 

Das Vorderrhein-Tal auch Surselva genannt

Das Vorderrhein-Tal auch Surselva genannt.

Während der Abfahrt kann man immer mal auf den noch jungen Rhein blicken. Schließlich erreichten wir Disentis mit seinem sehenswerten Kloster.
 

Disentis

Disentis

Anschließend erreichen wir Ilanz, das sich gerne „die erste Stadt am Rhein“ nennt. Was hier auffällt: diese Gegend des Kantons Graubünden ist zweisprachig: Ortsnamen oder Schilder sind teilweise auf Deutsch und rätoromanisch geschrieben.
 
 

Ilanz, die erste Stadt am Rhein

Ilanz, die erste Stadt am Rhein

Nach einer Mittagspause fuhren wir weiter entlang des Rheins, bis die Straße bei Flims sich vom Rhein entfernt. Der Fluss durchfließt hier die Ruinaulta, eine bis zu 400 Meter tiefe und rund 13 Kilometer lange Schlucht des Vorderrheins zwischen Ilanz und der Mündung des Hinterrheins. Wer diese Schlucht erleben will, muss dies per Bahn oder Kanu tun. Vom Auto aus sieht man wenig, der Großteil der Strecke verläuft im Tunnel.
 

Der junge Rhein

Der junge Rhein

Erst in Reichenau, wo Vorder- und Hinterrhein zusammenfließen, trafen wir wieder auf den Rhein. Dank der unterschiedlichen Farbe der beiden Flüsse sieht man deutlich, dass der Hinterrhein der wesentlich größere Fluss ist, und auch wenn der Tomasee gerne als DIE Rheinquelle bezeichnet wird, erscheint der Vorderrhein doch nur ein Zufluss des eigentlich bedeutsameren Hinterrheins zu sein. Damit ist die nächste Aufgabe klar: Wo kommt eigentlich der Hinterrhein her?

Reichenau, wo Vorder- und Hinterrhein zusammenfließen

Reichenau, wo Vorder- und Hinterrhein zusammenfließen

Wir setzten unsere Fahrt in Richtung Süden fort und legten den ersten Stopp an der Via Mala ein. Dies ist eine enge und sehr tiefe Schlucht, in die sich der Rhein hier eingegraben hat. Ein Abstieg ist auf jeden Fall empfehlenswert, denn es ist beeindruckend, wie sich das Wasser hier durchzwängt. Marken an den Wänden zeigen fast unvorstellbare Hochwasserstände an und von Strudeln ausgewaschenes Gestein (sog. Strudeltöpfe) zeigen eindrucksvoll die Energie des Wassers.

Strudeltopf

Strudeltopf

Via Mala Schlucht

Via Mala Schlucht

Der nächste Stopp der Reise lässt nicht lange auf sich warten: die Rofflaschlucht. Während die Via Mala gut ausgeschildert ist, ist der Eingang zur Rofflaschlucht eher unscheinbar. Man sollte ihn aber auf keinen Fall verpassen, denn für einen kleinen Eintritt gibt es hier viel zu sehen. Der frühere Betreiber des Gasthauses an der Schlucht sprengte eigenhändig in jahrelanger mühevoller Arbeit einen für Touristen begehbaren Weg durch die Schlucht zu einem nahegelegenen Wasserfall. Das Besondere daran: man kann unter dem Wasserfall hindurch gehen! Wer also einmal erleben will, dass der Rhein über ihn hinwegfließt, dem sei dieser Ausflug unbedingt empfohlen.
 

Rofflaschlucht

Rofflaschlucht

 
Am späten Nachmittag erreichten wir Splügen. Will man noch weiter zur Quelle des Hinterrheins muss man weiter zum gleichnamigen Ort Hinterrhein fahren. Obwohl Splügen sehr einladend wirkte, entschieden wir uns dennoch weiter nach Konstanz zu fahren, um dort zu übernachten und den nächsten Tag den Bodensee zu erkunden. So drehten wir um, fuhren nun wieder nach Norden. Ab dem Zusammenfluss in Reichenau heißt der Rhein nun „Alpenrhein“. Er verläuft schnurgerade und beiderseits eingedeicht neben der Autobahn nach Konstanz.
 
Der nächste Tag verlief vorerst autofrei. Bei strahlendem Sonnenschein ließen wir das Auto ruhen und stiegen stattdessen auf Schiffe um, die uns erst nach Meersburg brachten und schließlich zur Insel Mainau. Für uns war es faszinierend zu sehen, dass viele der dortigen Schiffe heimische Produkte der Mondorfer Lux-Werft waren.
 

FGS Möve - gebaut auf der Lux-Werft in Mondorf

FGS Möve - gebaut auf der Lux-Werft in Mondorf

An der Konstanzer Rheinbrücke waren wir allerdings etwas enttäuscht. Hier beginnt die Rheinkilometrierung – und dafür, dass die so eine bedeutende Stelle im Lauf des Rheines ist, findet sich hier kein einziger Hinweis. Unser Plan, den Rheinkilometer „0“ festzuhalten, war damit leider gescheitert.

Rheinkilometer NULL

Rheinkilometer NULL

Am Nachmittag fuhren wir dann zum berühmten Rheinfall bei Schaffhausen. Genaugenommen besuchten wir die Südseite bei Schloss Laufen, und dass können wir nur empfehlen. Hier kann man durch Tunnel im Felsen ganz nah ans Wasser heran oder sich auf einer Kanzel den Wasserfall entgegen kommen lassen. Per Boot kann man zur Insel in der Mitte des Wasserfalls übersetzen.
 

Rheinfall bei Schaffhausen

Rheinfall bei Schaffhausen

Den Abend und die Nacht verbrachten wir im nahegelegenen Singen, von wo aus es am nächsten Morgen heimwärts ging.
 
Jetzt bleibt eigentlich nur noch die Frage, wo der denn der Rhein hinfließt. Aber das klären wir dann ein anderes Mal….
 

Unser ganzes Rheinreise-Abenteuer finden Sie in unserer Videothek oder hier:
 

Institution des Kartonmodellbaus beehrt Mondorf und den KC Kallboys

Der Kegelclub Kallboys aus Mondorf dürfte mittlerweile vielen Lesern durch Geschichten wie das Siegauen-Hörspiel „Rheinhorn in Not“, die Teilnahme am Underberg-Musikwettbewerb oder seine „Mondorfer Bastelbögen“ ein Begriff sein, durch die er mittlerweile auch international Beachtung gefunden hat – es sind sogar schon Fotos und Bauberichte aus Brasilien und Australien eingetroffen.

Fertiges Papiermodell der Mondorfer Laurentiuskirche im Maßstab 1:160

Fertiges Papiermodell der Mondorfer Laurentiuskirche im Maßstab 1:160

Dennoch staunten die 6 Clubmitglieder dann nicht schlecht, als sie erfuhren, dass eine der wichtigsten Institutionen des Kartonmodellbaus, der AGK („Arbeitskreis Geschichte des Kartonmodellbaus e.V.“) , sich entschieden hatte, seine diesjährige Hauptversammlung in Mondorf abzuhalten – um Mondorf insgesamt, die realen „Vorlagen“ für die beliebten Bastelbögen, und natürlich insbesondere deren „Macher“ persönlich kennenzulernen.

So reisten dann am Freitag, dem 22.9.2023, 28 Mitglieder des AGK aus ganz Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz in der „Post bei Tony“ in Mondorf an. Am Samstagmorgen traf man sich mit einer Delegation des KC Kallboys, um sich beim gemeinsamen Frühstück im „Hafenschlösschen“ kennen zu lernen. Dabei interessierte ganz besonders die Frage des AGK-Präsidenten Dieter Nievergelt :„Wie kommt ein Kegelclub auf die Idee, Bastelbögen seiner Umgebung zu erstellen, mit historischen Informationen aufzubereiten – und all dies kostenlos im Internet zur Verfügung zu stellen ?“

Nach den umfassenden und auch witzigen Gesprächen erhielten die Kallboys als Anerkennung für ihr Engagement ein gewidmetes Exemplar des historischen Buches „Die Kunst mancherlei Gegenstände aus Papier zu formen“, von dem in dieser Form nur 30 Stück existieren.

Heinz Dresbach und Tobias Gilles vom KC Kallboys nehmen die Anerkennung vom AGK-Präsidenten Dieter Nievergelt entgegen (Quelle: Axel Huppers)

Heinz Dresbach und Tobias Gilles vom KC Kallboys nehmen die Anerkennung vom AGK-Präsidenten Dieter Nievergelt entgegen (Quelle: Axel Huppers)

Für den Sonntagmorgen hatte der Schriftführer des AGK, Andreas Fausten, eine besondere Idee : ein Rundgang durch Mondorf, zu einigen der Gebäude, Schiffe und Anlagen, die der KC Kallboys bislang als Bastelbogen veröffentlicht hat : beginnend bei der Mondorfer Fähre, an der Pumpstation und dem Hafenschlösschen vorbei, ging es zum Schiff „VSS Bonn“, dem Trafohaus am Hafen, dem Kunstwerk „Konfidenz“, zum alten Domdechantshaus (der heutigen Bücherei), zum Rhabarberbrunnen und zur ehemaligen Brauerei Schlimgen.    Zu jedem der Orte und Objekte konnte Holger Moskopp, geistiger Vater und Konstrukteur der Bastelbögen bei den Kallboys, die gespannten Zuhörer mit interessanten Geschichten unterhalten.

Holger Moskopp erläutert den Gästen das Objekt und die Geschichte des nächsten Bastelbogens, dem Mondorfer Rhabarberbrunnen (Quelle : Heinz Dresbach)

Holger Moskopp erläutert den Gästen das Objekt und die Geschichte des nächsten Bastelbogens, dem Mondorfer Rhabarberbrunnen (Quelle : Heinz Dresbach)

Der Abschluss des Events führte schließlich zu jenem Objekt, mit dem die ganze Geschichte der Mondorfer Bastelbögen 2010 begann : der Mondorfer Laurentiuskirche. Dieter Nievergelt beschloss das Event dort bei strahlendem Sonnenschein mit ehrenden Worten für den KC Kallboys, die dessen Mitgliedern Motivation genug sein werden, sich weiterhin in dieser Weise für das Bewusstsein der Geschichte Mondorfs und der Region einzusetzen. Beide Seiten freuen sich nach diesem herrlichen Tagen nun auf ein Wiedersehen, irgendwann....

Der KC Kallboys und 28 Mitglieder des AGK (Quelle: Axel Huppers)

Der KC Kallboys und 28 Mitglieder des AGK (Quelle: Axel Huppers)

Hintergrund : Der Kegelclub Kallboys aus Mondorf stellt seit 2010 auf seiner Webseite www.kallboys.de Bastelbögen zu Objekten aus Mondorf und der Umgebung kostenlos zum Download zur Verfügung. Jeder Bastelbogen enthält (neben den Bauteilen, die man ausdruckt, ausschneidet und zusammenklebt)  zusätzlich eine ausführliche Bauanleitung, sowie auch einen kurzen Bericht über die Historie des betreffenden Objektes. Mittlerweile wurden 77 solcher Bastelbögen veröffentlicht, einige davon auch als explizit vereinfachte Ausführung für Kinder („Pappe für Pänz“).  Schauen Sie rein – unter www.kallboys.de/mondorfer-bastelboegen finden Sie ganz bestimmt auch ein oder mehrere Objekte aus Ihrer näheren oder weiteren Nachbarschaft, die Sie so nachbauen können….

Mondorf und die Rheinflößerei

Mondorf in frühen Darstellungen (Teil 2)

Das Bild des unbekannten Künstlers zeigt ein riesiges Floß am Ufer von Mondorf. Deutlich ist das Siebengebirge am Horizont auszumachen. Die Wahl des Motivs liegt aber nicht im Panorama begründet, sondern die Flößerei war über viele Jahrhunderte ein echter Wirtschaftsfaktor für Mondorf.

rba_195436 (Ansicht von Mondorf, Kölnisches Stadtmuseum, Köln)

Holz war damals ein begehrter Werkstoff in Gebieten, in denen die Bewaldung nur gering war. Besonders für den Schiffs-, Haus- und Deichbau wurde es in Holland benötigt, später auch im Ruhrgebiet für den Bergbau. Daher lohnte es sich finanziell durchaus, Holz aus Süddeutschland in den Norden zu schaffen. Der Rhein und seine Nebenflüsse waren dabei optimale Transportwege. So konnte Holz aus dem Schwarzwald über den Rhein, Holz aus den Vogesen über Saar und Mosel und Holz aus dem Fichtelgebirge und dem Frankenwald über den Main bis an die Nordsee geflößt werden.

Das dargestellte Floß ist ist riesig. Solche Flöße konnten eine Länge bis zu 330 Metern und eine Breite von bis zu 65 Metern erreichen. Sie benötigten bis zu 500 Mann Besatzung - allein 200 -300 Mann wurden benötigt, um das Floß über die sogenannten Streichen zu steuern. Jedes dieser 18 m langen Ruderblätter musste von bis zu 9 Mann bedient werden. Vorn und hinten befanden sich je ca. 20 dieser Ruder. Doch damit alleine konnte dass Floß nicht gesteuert werden. In engen Kurven, wurden seitlich versetzt, zudem Anker geworfen, um das Floß „um die Ecke“ zu ziehen. Auch hierfür waren wieder Leute nötig, denn die Streichen mussten ja weiter bedient werden.

Hinzu kamen noch Warschauer, Steuermann, Vorarbeiter, Köche, Arbeiter und Personal für Begleitboote. So erklärt sich der Aufbau von Zelten und Gebäuden auf dem Floß, denn die Mannschaft arbeitete, lebte und schlief während der Fahrt auf dem Floß. So wurden auch Unmengen Lebensmittel und sogar Schlachtvieh mitgeführt, um die Besatzung zu versorgen. Der (nicht nur finanziell) erhebliche Aufwand einer solchen Unternehmung diente jedoch der Gewinnoptimierung. Kleinere Flöße wären sicher mit weniger Leuten und auch viel einfacher zu steuern gewesen, jedoch rechneten sich durch die zu passierenden Zollstellen kleine Flöße nicht. Es war günstiger, einmal für ein großes Floß zu zahlen, als für viele Kleine. Zölle machten gut ein Drittel des aufzubringenden Kapitals aus.

So machten viele Landesherren am Rhein von ihren Passierzöllen, Vorkaufsrechten und dem Stapelrecht gebrauch. Besonders die Vorkaufsrechte waren zeitraubend. Benötigte man an in einem Ort Holz, so musste die benötigte Menge ausgekoppelt und an den Landesherren verkauft werden.

Der Herzog von Berg, zu dessen Herzogtum auch Mondorf gehörte, beanspruchte für sich ebenso ein Vorkaufsrecht für geflößtes Holz in seinem Bereich. Diese Rechte wurden in sogenannten Weistümern festgelegt. Diese wurden von rechtskundigen Männern mündlich weitergegeben oder auch schriftlich festgehalten. So heißt es im Bergheim-Mondorfer Weistum von 1579 unter Absatz vier:

Erst wenn der Herzog sein Holz hatte, oder sein Recht nicht geltend machte, durften die Flößer weiterfahren. Mondorf als diesen Umschlagplatz zu wählen, liegt in der geographischen Lage begründet. Zum einen war Mondorf der erste Ort am Rhein im Herzogtum Berg und zum anderen trafen hier auch die Flösse aus Dattenfeld über die Sieg ein. So legten die Flöße in Mondorf einen Zwangsstop ein um Holz zu verkaufen und Flösse umzubinden.

Hafenbucht Mondorf/Rhein, HB17689 - Bundesanstalt für Wasserbau

Dadurch konnten auch Mondorfer gut verdienen, denn der Lagerplatz des Holzes musste bewacht werden, die Flößer kauften Lebensmittel zu, und nicht wenige Mondorfer heuerten auf den Flößen an um Geld zu verdienen und vielleicht auch um die große weite Welt zu entdecken. Aber auch von den jungen Mondorfer Burschen wird berichtet, dass sie häufig mit den Flößern Zeit verbrachten. Gegen den Tausch von in Mutters Garten geklautem Gemüse, dass die Flößer für ihre „FlützeZupp“ benötigten gab es Flützebier – Bier dass die Flößer in rauen Mengen mitführten, denn jedem Flößer standen pro Tag mehrere Liter Bier zu.
Der Lagerplatz befand sich am Rheinufer zwischen dem Hafenschlösschen und dem Fähranleger. Dort wo heute das Italiänische Restaurant steht (und zuvor die Gaststätte Heinzen stand) befand sich eine Baracke, in der das Holzumschlagsbüro untergebracht war.

Kölnische Zeitung, Ausgabe vom 12. Mai 1844, Anzeige einer Versteigerung von FloßartikelnEs muss ein geschäftiger Umschlagplatz/Hafen gewesen sein, denn hier wurde alles Mögliche gehandelt. Bis bis in die 1950er Jahre wurden hier z.B. noch Bimssteine gelagert. So verwundert eine Anzeige vom 12. Mai 1844 aus der Kölnischen Zeitung nicht, in der Flößerei Artikel zu einer Versteigerung angeboten werden.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bekamen die Flößer jedoch Gegenverkehr auf dem Fluss. Mit der Einführung der Dampfschifffahrt wurde es voller auf dem Rhein und es wurde immer schwieriger große Flösse den Rhein hinabzusteuern. Anfänglich hatten die Flößer jedoch eine Vormachtstellung. So legte zum Beispiel die Preußische Regierung 1871 bei der Beantragung der Rheintauerei fest, dass die Schleppschiffe zusätzlich mit einem Schraubenantrieb auszustatten waren. Mit den Schrauben sollte auch die Manövrierfähigkeit gewährleistet werden, wenn das Seil bei Notfällen abgeworfen werden müsste. Da Kapitalflöße auf dem Rhein absoluten Vorrang hatten, musste die Schraubenkraft ausreichen, den Schleppzug bei abgeworfenem Seil aus dem Weg zu ziehen. Nachvollziehbar – man legt sich ja auch nicht mit einer Straßenbahn an.

Mit der Zunahme des Schiffsverkehrs und Schienenverkehrs sowie dem Wegfall der Zölle und Stapelrechte machte es jedoch immer weniger Sinn, Großlösse zusammenzustellen. Zwar konnten die Flösse nun mit Dampfkraft geschleppt werden, was sowohl den Personalbedarf als such die Fahrzeit reduzierte , aber dennoch wurde die Flößerei immer unrentabler. 1900 verließen noch 700 Flöße den Flößerort Kastel bei Mainz, schon 1950 waren es nur noch 53. Das letzte kommerzielle Floß schwamm 1968 den Rhein hinab.

Am 28.4.2022 war jedoch wieder ein Floss zu Gast in Mondorf. Mitglieder des Vereins „Schiltacher Flößer e.V.“ wollten mit dieser „Nostalgiefahrt“ an die Flößerei erinnern. Seit 2014 ist die Flößerei zudem als immaterielles Weltkulturerbe bei der UNESCO gelistet. Natürlich hatte das Floß nicht die Dimensionen wie die alten Holländerföße. Das 15 Meter lange Floß musste zudem einige behördliche Auflagen erfüllen. So wurden zum Beispiel für Notfälle zwei Außenbordmotoren mit in das Floß eingebaut. Dennoch wurden die Schiltacher Flößer gebührend im Mondorfer Hafen am Anleger des RYC vom Mondorfer Bürgerverein, der Bergheimer Fischereibruderschaft und zahlreichen Schaulustigen empfangen.

Schlitacher Flößer in Mondorf

Schlitacher Flößer in Mondorf

 

Quellen und Danksagung für diesen Artikel:

Wir möchten uns bei Roland Klinger bedanken, der uns aus seinem Archiv mit einer Vielzahl von Artikeln zum Thema Flößerei und seinem umfangreichen Wissen zu Mondorfer Geschichte unterstützte.

Weiterhin möchten wir uns bei Herrn Elmar Scheuren bedanken, der uns nach seinem Vortag zum Thema „Flößerei auf dem Rhein“ im Siebengebirgsmuseum noch für Fragen zur Verfügung stand.

 

Bild Quellen:

  • rba_195436 - (Ansicht von Mondorf, Kölnisches Stadtmuseum, Köln)
  • Hafenbucht Mondorf/Rhein, HB17689  - Bundesanstalt für Wasserbau
  • Anzeige Floßartikel - Roland Klinger
  • Schiltacher Floß im Mondorfer Hafen - Kallboys

Text Quellen Internet:

  • Weistum bei Wikipedia
  • Schiltacher Flösser
  • Flösserei Weltkulturerbe bei Unesco

Literatur Quellen:

  • Flößerei auf dem Rhein, Veröffentlichung des Siebengebirgsmuseums, Bouvier-Verlag Bonn, 1999, 3-416-02764-7
  • Troisdorfer Hefte 1973, Herausgeber Stadt Troidorf, Artikel: Das Bergheim-Mondorfer Weistum von 1579, Autor: Heinrich Brodesser
  • Kölnische Zeitung, Ausgabe vom 12. Mai 1844, Anzeige einer Versteigerung von Floßartikeln
  • Kölnischer Anzeiger, Ausgabe vom 12. Mai 1836, Inserat der „Ansicht des Floßbaues bei Mondorf“
  • General Anzeiger, Ausgabe vom 20. Mai 1892, Artikel über Fischerei bestätigt dass Mondorfer sich beim Floßbau verdingen
  • Montagszeitung, Ausgabe 17/22, „Flößer aus dem Schwarzwald besuchen Mondorf“

Wo kommt eigentlich die Sieg her?

Wie wir schon im Text zum Thema "Wo ist Mondorf?" erwähnen, liegt Mondorf als einziger Ort an beiden Flüssen, die dem Rhein-Sieg-Kreis seinen Namen geben. Aber wo kommen diese Flüsse eigentlich her? Das wollten die Kallboys ergründen und so machten wir uns auf die Reise.

Zu Beginn ist es relativ leicht dem Flussverlauf zu folgen, denn hinter Hennef führt die beliebte Siegtalstraße (L333) die meiste Zeit direkt am Ufer der Sieg entlang. Nach dem Ende der L333 geht es weiter auf der B62 durch Rheinland-Pfalz bevor man bei Siegen wieder in NRW ist. In Siegen wird die Straße dann auch gleich breiter. Auf der gut ausgebauten Hüttentalstraße gelangt man zügig durch Siegen und fährt dann weiter Richtung Netphen. Hat man den Ort Netphen hinter sich gelassen, wird die Strecke steiler. Es geht nun eine ganze Weile immer nur bergauf, bis man schließlich den Abzweig zur Eisenstraße erreicht. Dort ist auch die Siegquelle ausgeschildert. Nun fährt man die schmale Eisenstraße entlang, bis man schließlich an die Kreuzung gelangt, wo die Straße nach Großenbach abzweigt. Genau dort liegt die Quelle.

An dieser Stelle gibt es einen kleinen Parkplatz und man hat einen Holzweg angelegt, über den man durch das Quellgebiet geführt wird. In diesem Gebiet gibt es einen Quelltopf und mehrere Stellen, an denen Wasser aus dem Boden tritt. Es gibt auch eine Wasserentnahmestelle, an der das frische Quellwasser durch eine Rinne läuft und auf einen Stein plätschert.

Siegquelle

Etwas versteckt und unscheinbar

Übrigens: Wenn man ab der Entnahmestelle entlang des Rinnsals geht (und die Straße kreuzt) findet man im Wald auf der anderen Straßenseite einen Stein. Auf diesem steht eingemeißelt "Siegmündung Mondorf 144 km".

Siegmündung Mondorf 144 kmSiegmündung Mondorf 144 km

P.S.: Jetzt bleibt eigentlich nur noch die Frage, wo denn der Rhein herkommt? Auch dieser Frage sind die Kallboys nachgegangen. Aber das ist eine andere Geschichte...

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