Der Kallbus

Es gibt Dinge, die lassen einen einfach nicht los - Ein Bus für die Kallboys! Ein Kallbus! Ein Kallbus, der uns bequem und lässig auf unseren Clubtouren bewegt. Das wäre was! Man braucht ja nur einen ausrangierten Linienbus zu kaufen und zu einem Kegelmobil umzubauen. Doch so leicht, wie wir uns das vorgestellt haben, war das nicht!

Februar 2019: How to make ends meet – Wieviel Probleme kann ein Auspuff verursachen?

Bei der letzten Probefahrt, bei der wir die Undichtigkeit des Kühlsystems entdeckten, testeten wir auch die Dichtigkeit der Auspuffanlage. Leider lief der Motor trotz verschlossenem Endrohr munter weiter und entließ seine Auspuffgase durch mehrere undichte Stellen. Nachdem die Arbeiten am Kühlsystem abgeschlossen waren, widmeten wir uns nun den einzelnen Komponenten der Auspuffanlage.

Diese beginnt bei unserem Motor mit dem Auspuffkrümmer. Davon gibt es einen pro Zylinderbank, also insgesamt zwei. Der rechte läuft relativ gerade entlang des Motorblocks. Der linke dagegen hat ein paar elegante Kurven um am Ölmessstab vorbei zu kommen. Am Motorblock gibt es pro Zylinderbank drei Auslässe, die der Krümmer abdecken muss. Eigentlich würde man hier vier Auslässe erwarten, aber die beiden mittleren Zylinder nutzen denselben Auslass.

Bis hierhin war es einfach. Ab jetzt wird es kompliziert.

Da unser FK 3500 ein Behördenfahrzeug war (höchstwahrscheinlich ein Großraumkrankenkraftwagen mit Kofferaufbau) hat er eine besondere Auspuffanlage, die sich deutlich von der „zivilen“ Version unterscheidet: Beide Krümmer blasen nach unten ab. Der Flansch zum Anschluss des Auspuffrohrs ist viereckig mit 4 Stehbolzen. An die Krümmer angeschraubt ist ein Hosenrohr. Das sieht wie eine Wünschelrute aus und führt die Abgasströme von links und rechts zusammen. Das Hosenrohr ist teilbar, hat runde Flansche und enthält Auspuffklappen für die Motorbremse.

Was war defekt? An beiden Krümmern waren Teile abgebrochen, die behelfsmäßig mit einer inzwischen ausgetrockneten Paste modelliert waren. Beim Ausbau brachen dann große Teile dieses „Stuckwerks“ ab. Neue Krümmer waren fällig. Das Hosenrohr war an mehreren Stellen undicht und ziemlich durchgerostet.

 

Wo war das Problem? Es gibt keine Neuteile mehr. Schon gar nicht für diese spezielle Behördenversion. Die handelsübliche Variante, wie sie auch im Ersatzteilkatalog steht, war noch beschaffbar, denn diese war auch bei amerikanischen Motoren verbaut und deshalb dort noch verfügbar. Außerdem gab es viele verschiedene andere Varianten in USA, hauptsächlich aus der Hot-Rod-Szene. Ich hätte zwar nichts gegen einen gutaussehenden verchromten Fächerkrümmer gehabt, aber diese hatten einen „Center Dump“, d.h. der Auslass war in der Mitte des Krümmers und das hätte bei uns nicht gepasst. Wir brauchten den Krümmer mit dem Auspuffanschluss zwischen dem vorderen und dem mittleren Auslass am Motor.

Was tun? Wir besorgten uns die Krümmer der normalen, zivilen, handelsüblichen Version des FK 3500. Diese bekamen wir gebraucht für einen sehr guten Preis bei einem Privatmann in USA. Die Teile wurden gestrahlt und einbrennlackiert und sahen anschließend wieder gut aus. Außerdem besorgten wir in USA alle Muttern und Schrauben, denn diese haben ein für Europa sehr ungewöhnliches Maß in Bezug auf Gewindedurchmesser, Steigung und Schlüsselweite. Dann entdeckten wir noch ein Hosenrohr für den Ford F-1 im Netz, was genauso beschafft wurde wie ein neuer Auspufftopf.

 

Wie lief’s? Leider passte das US-Hosenrohr nicht an unsere Krümmer. Das war umso frustrierender, als das dieses Teil relativ hohe Frachtkosten verursachte. Das linke Rohr (die „Cross-over-pipe“) passte zwar, traf sich aber nicht mit dem rechten Rohr. Die Stehbolzen an unserem rechten Krümmer sind ungefähr parallel zur Fahrzeuglängsachse. Das Problem am rechten Rohr war, dass diese Achse am Flansch des Rohres ca. 20° verdreht war.

Hilfe kam dann vom Ford Oldtimer- und Motorsportclub Köln (fomcc.de). Ein Mitglied überließ mir dankenswerter Weise eine gebrauchte Cross-over pipe. Jetzt wurde das Hosenrohr mit einem neuen Flansch versehen. Dann wurde ein Teil des Hosenrohres, der gegen die Stoßdämpferaufnahme stieß, durch ein Stück aus dem amerikanischen F-1 Rohr ersetzt. Ans Ende kam der neue Schalldämpfer aus USA. Der Rest des Rohres blieb wie er war. Fertig war die Auspuffanlage..

30.4.2019: Die heut’ge Nacht ist uns’re

Der Tag beginnt morgens mit letzten Arbeiten an der Elektrik. Wir schaffen es tatsächlich, dass am Ende alle Kontrollleuchten auch dann brennen, wenn sie es sollen. Blinker, Scheinwerfer, Hupe, alles funktioniert. Anschließend wird die Ladefläche geleert, denn im letzten Jahr hat sich viel angesammelt. Dann wird der Motor gestartet und der Wagen verlässt zum ersten Mal seit August die Halle. Die erste Reise geht es zur Waschanlage, um das Auto vom Staub zu befreien. Danach geht es zur Tankstelle. Der neue Schlauch vom Einfüllstutzen in den Tank hält. Alles wunderbar! Die Sonne scheint.

 

Weiter geht es ins nahegelegene Libur, um einen Maibaum zu kaufen. Die Größe der Ladefläche erlaubt komfortable Transportbedingungen. Die Pritsche ist 4,5 m lang, so steht der Baum kaum über. Die Rückleuchten werden nicht verdeckt. Bis zum Beginn der Mainacht wird der LKW nun wieder eingeschlossen.

Zum Einbruch der Dunkelheit gehen wir auf die Reise. Nacheinander werden die einzelnen Kegelclub-Mitglieder und die Gäste abgeholt. Zuerst fahren wir nach Bonn und setzen dort den ersten Baum. Im Anschluss geht es weiter nach Rheidt, zur alten Post, wo die Kallboys kegeln. Wirtin Aida und das Team freuen sich über unseren Besuch. Nach einem letzten Baum in Mondorf lassen wir den Abend am Rheinufer ausklingen.

 

 

Der LKW hat gut durchgehalten und alle hatten megamäßig Spaß.

8.5.2019 Man erntet was man säät – Der „TÜV“ ist fällig

Der „TÜV“, oder besser: die jährliche Hauptuntersuchung nach §29 StVZO ist fällig. Heute Vormittag waren 2 Stunden Zeit, also ging es direkt morgens früh los zur örtlichen GTÜ Station.

Der Wagen springt ohne Probleme an, läuft prima und seit dem letzten Nachjustieren des Zündzeitpunkts auch schneller! Eigentlich sollte die Prüfung kein Problem darstellen. Aber natürlich macht man sich vorher Sorgen, ob die Bremsen richtig funktionieren. Schließlich steckt eine Menge Arbeit in der Überholung der Bremsanlage und es bleibt die Frage, ob es sich gelohnt hat, oder ob man alles nochmal machen muss.

Beim GTÜ komme ich nach kurzer Wartezeit direkt dran. Nach einem gründlichen Check von Fahrgestellnummer, Papieren, Innenraum, Wischanlage, Hupe und anderem geht es gleich rauf auf den Bremsenprüfstand. Alles läuft wunderbar, beide Zeiger des Rollenprüfstands gehen gleichmäßig hoch. Auch bei der Hinterachse keine Probleme. Die Bremse bremst so gut, dass beide Zeiger bis zum Anschlag nach oben gehen. Die Handbremse bremst sowieso gleichmäßig, denn sie wirkt auf das Getriebe und bremst die Kardanwelle ab. Eine etwas merkwürdige Konstruktion, die aber äußerst effektiv ist. Die Bedienkräfte der Handbremse sind minimal, die Bremswirkung aber ordentlich.

Dann wird die Beleuchtung geprüft. Alles funktioniert. Unter dem Auto fällt auch nichts auf, außer dem guten Pflegezustand. Wir erhalten die Bestätigung eines mängelfreien Fahrzeugs und eine neue Plakette für 1 Jahr. Der Sommer kann kommen! Vor allem ist es aber schön zu sehen, dass die ganze Arbeit wirklich etwas gebracht hat.

Man erntet was man säät!

   
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