Mondorf und der Truchsess

Mondorf in frühen Darstellungen (Teil 1)

In dieser Geschichte spielt Mondorf nur eine kleine Nebenrolle. Immerhin befand man es jedoch für so wichtig das Ereignis in einem Bild darzustellen. Der Kupferstich von Franz Hogenberg zeigt den Übergang der Truppen von Gebhard von Waldburg über den Rhein bei Mondorf im Jahr 1582.

Der Text darunter erklärt, wo sich die ganze Szenerie abspielt.

Waß, lang zu kayserswerdt allein
Truxes practizirt in geheim
Darnach zu Arnsburg follzogen
Wie das eigentlich gelogen.

Wirt zu Bonn an das licht gebracht
Als er auß Westphalen sein macht
Setzet zu Mundorf uber Rhein
Und nimpt also das Stift gar ein.

Diß ist gewesen der anfangh
Drumb villen Auch ihm wurden bang
Anno Dni MDLXXXII

Wie kam es zu diesem Ereignis?
Als im Jahre 1577 Gebhard Truchseß von Waldburg-Trauchburg zum Erzbischof und Kurfürst von Köln wurde, stand er in den ersten Jahren seiner Amtszeit treu zur katholischen Kirche. Etwa um 1580 lernte er jedoch die Stiftsdame Agnes von Mansfeld kennen und lieben, doch leider war die Gräfin protestantisch.

Die Verwandtschaft der Gräfin, leidenschaftliche Calvinisten, fanden es nicht besonders ehrenhaft, und schon gar nicht standesgemäß für eine Gräfin, nur eine Mätresse zu sein, und forderten Gebhard von Waldburg auf, sie zu ehelichen. Einige Quellen geben an, dass es dem Erzbischof nicht besonders schwer gefallen war dem zuzustimmen, weil er Agnes wohl sehr liebte. Andere Quellen berichten von einer Erpressung, in der es um ein Messer und seine Männlichkeit ging. Wie es auch immer war - im Groben stimmte er einer Ehe zu.

Da er aber katholischer Priester war, unterlag er dem Zölibat. Nun stand es nach dem Religionsfrieden von 1555 einem katholischen Geistlichen zu, protestantisch zu werden, aber dann musste er alle Titel und Besitztümer abgeben. Gebhard wollte aber nicht auf die Annehmlichkeiten seines durch die Titel erworbenen Luxus verzichten - er selbst war nämlich ziemlich mittellos. Dieser Passus war auch schon einigen anderen protestantischen Reichsgrafen ein Dorn im Auge. Sie verbündeten sich mit Gebhard von Waldburg und dieser konvertierte am 19.12.1582 zum evangelischen Glauben - nicht ohne darauf hinzuweisen, dass er alle Titel und Besitztümer behalten wolle, und er seinen Untertanen ihre Konfession freistelle.

Da abzusehen war, dass die katholischen Kurfürsten und auch der Papst dies nicht gutheißen würden, besetzte Gebhard vorsorglich die Stadt Bonn mit Truppen; hier lagerten die Urkunden des kurkölnischen Archivs und die Landeskasse. (Auf diesen Zeitpunkt ist der Hogenberg Stich datiert.) Kurz darauf heiratete Gebhard die Gräfin Agnes auch im Februar 1583 in Bonn.

Dies alles missfiel dem Papst Gregor XIII sehr, der ihn daraufhin absetzte, exkommunizierte und einen neuen Erzbischof für Köln einsetzte - Gebhard erkannte diesen aber nicht an. Das ganze gewann auch noch an politscher Schärfe, da der Kaiser durch die sechs Kurfürsten gewählt wurde, und bisher war das Verhältnis der Konfessionen hierbei 3:3. Die Konvertierung von Gebhard verschob das Machtverhältnis aber nun zu Gunsten der Protestanten, würde er den Titel behalten. Das wollten die Habsburger, die eng mit der katholischen Kirche verbunden waren und zu dieser Zeit den Kaiser Rudolf II stellten, keinesfalls dulden. Nun hatte sich Gebhard den Papst, den Kaiser und das Herzogtum Bayern zum Feind gemacht, und ein militärischer Konflikt war jetzt unausweichlich : der Truchsessche Krieg, auch Kölner Krieg genannt, brach aus.

Die Bayern, mit Spanien verbündet und durch finanzielle Mittel des Vatikans ausgestattet, machten sich auf dem Weg, um Gebhard Einhalt zu gebieten. Dieser sah sich nun in einer schlechten militärischen Lage, denn die andern protestantischen Herzogtümer schickten weder Geld noch Truppen; nur der Pfalzgraf Johann Casimir aus der Pfalz schickte 7000 Soldaten. Die beiden Truppen standen sich letzten Endes gegenüber, als Trennung nur der Rhein, denn man vermied einen Konflikt auf offenem Feld. Diese Machtdemonstration endete abrupt, als der Kurfürst der Pfalz starb und Johan Casimir nun Administrator der Pfalz werden konnte. Er zog seine Truppen ab und Gebhard stand plötzlich allein da.

Sofort überquerten die Bayern den Rhein. Gebhard blieb ihm nichts anderes übrig als sich zu verschanzen : er flüchtete in die Godesburg bei Bonn. Die Bayern nahmen daraufhin Bonn ein und belagerten die Burg. Nach mehreren Sprengversuchen, enterte ein Söldnerkommando letztendlich die als uneinnehmbar geltende Burg, ausgerechnet durch das Abort.

Als Anmerkung ist noch zu sagen, dass Gebhard in die Niederlande fliehen konnte, und der Truchsessche Krieg praktisch nahtlos in den in den Spanisch-Niederländischen Krieg überging.

Bleibt die Frage, ob sich die Überquerung des Rheines wirklich in Mondorf abgespielt hat. Die Ansicht zeigt Bonn von der rechten Rheinseite aus. Jedoch ist weder die Siegmündung, noch die Rheininsel mit der späteren Festung Pfaffenmütz zu sehen. Der Standort würde also eher Beuel vermuten lassen. Andererseits hat Mondorf schon seit 1200 Jahren eine Fährgerechtsame inne. Das ist Recht, gegen ein Entgelt Personen, Güter oder Fahrzeuge mit einer Fähre über einen Fluss überzusetzen. Hier bestand also eine Möglichkeit mit Booten oder Nachen anzulanden beziehungsweise überzusetzen.

Einen weiteren Hinweis auf Mondorf könnte die Burg oder Burgruine sein, die auf der rechten Rheinseite des Stiches zu sehen ist. Herman Sanke ging bei einer Beschreibung dieses Stiches in seinem Buch davon aus, dass es sich um das Schloss der Herren von Mundorf handelt. Im Zusammenhang mit den Fährgerechtsamen erkennt er in der Burg eine Wasserburg. Als Position gibt er die Mündung der alten Sieg an, wo heute auch noch das Hafenschlösschen steht.

Weiterhin ist der Blickwinkel des Bildes vom Mondorfer Rheinufer aus südwestlich gerichtet. Daher ist die Stadt Bonn selbst also viel zu weit nördlich dargestellt. Die Stadmauer von Bonn endete im Norden zu dieser Zeit etwa auf der Höhe der Theaterstraße. Dort wo heute die Beethovenhalle steht. Daher müsste man vom Standpunkt des Betrachters also eigentlich die Ost- und die Nordseite der Stadtmauer sehen. Gezeigt ist aber nur die Ostseite.

Eine weitere Frage ist, warum die Truppen des Truchsesses von Osten kamen und über den Rhein übersetzen mussten. Als Erzbischof von Köln sollte man doch eher eine Ankunft aus nördlicher Richtung auf der linken Rheinseite erwarten.
Eventuell sind diese Fehler aber auch darauf zurückzuführen, dass viele Stiche jener Zeit auf Erzählungen, Erinnerungen und künstlerischer Freiheit beruhen. Oftmals war der Künstler, der einen Stich erstellte, bei dem Ereignis gar nicht selbst dabei - das Bild ist also nicht wie ein Foto zu werten. Dennoch ist es immerhin ein historisches Kunstwerk, das sich mit Mondorf befasst.

Und eine weitere Frage bleibt. Was ist überhaupt ein Truchseß? Hierbei handelt es sich um einen Adelstitel der seinen Ursprung im mittelalterlichen Hofamt des Truchsesses hatte. Ein Truchseß war für die fürstliche Tafel und die Ernährung der Gäste und Gefolgschaft zuständig  und wies den Mägden und Knechten ihre Aufgaben zu. Mit der Zeit wurde das Amt eher zermoniell und später zu einem vererbbaren Adelstitel, der im Namen getragen werden durfte.

Quellenangaben zu diesem Artikel:

Bild:
http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/periodical/pageview/3366011
aus dem Buch "Geschichtsblätter" im digitalen Archiv der:
Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, urn:nbn:de:hbz:061:1-87222

Textquellen im Internet:
http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/persoenlichkeiten/G/Seiten/GebhardTruchse%C3%9FvonWaldburg.aspx
http://kups.ub.uni-koeln.de/5600/

Textquellen aus Büchern:
Titel: Berühmte & berüchtigte Bonner
Autoren: Helmut Böger und Gerhard Krüger
ISBN: 3-927283-07-X

Titel: MONDORF im Licht der Geschichte
Autoren: Hermann Sanke
ISBN: Keine - nur Jahr 1977

   
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