40 Jahre Siegauenbrücken der L 269

Mal eben von Mondorf nach Bonn oder von Bonn zurück. Das war bis Mitte der 1970er Jahre nicht so einfach. Zwar konnte man mit der Fähre über den Rhein setzen, aber wenn man die letzte Fähre verpasst hatte, war der Weg sehr umständlich. Der Landweg zwischen Bonn und Mondorf war nur über Troisdorf - Meindorf - Geislar - Beuel - Kennedybrücke möglich. Auch der Bau der Bonner Nordbrücke im Jahr 1967 verkürzte die Strecke nur minimal, denn der Weg führte immer noch über die nächste von dort aus ereichbare Brücke bei Friedrich-Wilhelms-Hütte über die Sieg.

 

Eine schnellere Verbindung musste her, und so wurde eine Verbindung quer durch die Siegniederung gebaut. Die Landstraße L269 wurde auf einen Damm gelegt um sie vor Hochwasser zu schützen. Damit die Sieg und der alte Siegarme Diescholl bei Hochwasser genug Raum hatten, wurden weiterhin zwei großzügige Brücken eingeplant. Jedoch benötigte man zur Herstellung des Dammes, enorme Mengen Erdreich, die auf möglichst kurzen Wegen herangeschafft werden sollten.

 

Diesen Umstand wollte man  sich in Mondorf zunutze machen, denn eine Erweiterung und Vertiefung des Mondorfer Hafens war schon lange geplant. Daher bot man der Baufirma den Aushub von 300000m³ des Hafenbeckens an, das auch gerne angenommen wurde. Jedoch plante man auch in Bergheim eine Vertiefung des "Diescholl" und der "Obersten Fahr" und wollte den Aushub natürlich auch möglichst einfach loswerden. Troisdorf bestand darauf auch diesen Aushub zu verwenden, da die Landstraße größtenteils über Troisdorfer Gebiet verlief. So wurde die Abnahmemenge der Mondorfer auf 150000 m³ reduziert, was zur Folge hatte, dass der Hafen kleiner wurde als ursprünglich geplant.

 

 

Die Bauarbeiten zogen sich über mehrere Jahre hin, denn nicht nur der Damm und die Baggerarbeiten waren umfangreich. Im Bereich des Anschlusses an die Rheidter Straße und die Provinzialstraße mussten einige Umgestaltungsmaßnahmen durchgeführt werden. Die Eisenbahntrasse velief über die heutige Ampelkreuzung Richtung Südosten und dann entlang der heutgen Lerchenstraße. Daher musste sie in einem Bogen weiter nach Nordosten verlegt werden und quert die Provinzialstraße heute ca. 250m weiter östlich. Weiterhin lag der Anschluss der Rheidter Straße tiefer als das Niveau des Dammes, sodass eine Schneise zwischen Mondorf und Bergheim gegraben werde musste, um das Niveau anzupassen. Auch stand an der Stelle, wo die L269 heute die Mondorfer Straße unterquert, ein Haus, das im Rahmen der Bauarbeiten des Durchstichs abgerissen wurde.

 

 

Es soll beim Bau auch einen Teileinsturz der Siegbrücke geben haben (nachzulesen in "Aus den Tiefen der Sieg" von Maria Reinartz). Frau Reinartz hat in dem Roman persönliche Erlebnisse eingebaut aber leider hatte Sie damals auch keine Fotos gemacht. Frau Reinartz hat die Brückenteile liegen gesehen und erinnerte sich, dass der abgebrochene Teil weggesprengt wurde, um erneuert zu werden.

 

 

Am 23.2.1976 wurde die L269 von Mondorf nach Bonn-Beuel wurde eröffnet. Die Einweihung erfolgte mit Bussen der RSVG. Mitfahren durften die Grundschulkinder aus Mondorf.
Von Beginn an wurde die Landstraße täglich von vielen Pendlern genutzt. So sehr, dass man zu Beginn der 1990er Jahre ab 7:00 morgens unweigerlich in einen Stau fuhr, wenn man diesen Weg nahm. Man versuchte daher, die öffentlichen Verkehrsmittel attraktiver zu machen, und legte in Richtung Bonn eine Busspur an – mit mäßigem Erfolg.
Mit den Jahren waren auf dieser stark befahrenen Straße immer wieder Ausbesserungsarbeiten nötig. Erst kürzlich (29.06. - 30.07.2015) wurde die gesamte Fahrbahndecke in Rekordzeit saniert. Fast passend zu Ihrem 40sten Geburtstag.

Ein herzlicher Dank für Informationen zu diesem Thema gilt Frau Maria Reinhartz, Beate Eisenberg und Roland Klinger. Weitere Informationen fanden wir im Artikel von Karl J. Arnold: Der Mondorfer Hafen, „Niederkasseler Heften Nummer 5 (S. 3-12)“. Die Fotos die während der Bauphase ca. 1974/75 aufgenommen wurden, stammen von Eyke Moskopp.

   
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